Andacht

Monatsspruch August 2020

Ich danke dir dafür, dass ich wunderbar gemacht bin;
Wunderbar sind deine Werke; das erkennt meine Seele.
Psalm 139,14

 

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Foto: © Klaus Steinike

Pfarrer Ulrich Kastner

Liebe Gemeinde,

nun ist es doch Sommer geworden! Bei allen Vorsichtsmaßnahmen und Absagen von Veranstaltungen. Aber eben sie haben es uns ermöglicht, dass wir relativ glimpflich durch die Krise gekommen sind: Wie anders verliefen die Infektionen in anderen Ländern, z.B. im sonst gern bereisten Urlaubsziel Italien?

Insofern haben wir Grund zur Dankbarkeit. Ich danke dir, Gott, dass ich wunderbar gemacht bin, heißt es im Spruch für den Monat August. Es ist so eine Betrachtung, die ganz innig ist. Als ob die Beterin allein auf einem Berg sitzt und über das Leben nachdenkt. Und schließlich kommen die Gedanken zurück an ihren Ausgangspunkt: zu sich selbst. Das hektische Treiben des Alltags ist ausgeblendet. Da sind nur die Natur, ihr Schöpfer und der Beter. Eine Situation, wie sie selten gelingt. Vielleicht beim Blick in den Sonnenuntergang, am Meer.

Ich danke dir dafür, dass ich wunderbar gemacht bin; wunderbar sind deine Werke, das erkennt meine Seele. Die Behauptung, wunderbar zu sein, ist keine Eitelkeit, keine Selbstbespiegelung und keine Angeberei. Sondern es ist die dankbare Zustimmung, mit der eigenen Existenz in den Zusammenhang der ganzen Schöpfung zu gehören. Wenn Gott alles gut geschaffen hat, dann gilt das wohl auch für mich – ich bin auch so einer. Auch ich darf dazugehören.

Nun kann man fragen, ob das denn stimmt? Ist es tatsächlich so, dass alles wunderbar ist? Nein, gewiss nicht! Ganz bestimmt ist nicht alles wunderbar. Und es ist eben die Bibel, die uns immer wieder darauf hinweist, das Leid und die Not anderer nicht zu übersehen, sondern auch die praktischen Nöte in den Glauben einzubeziehen. Und sie nicht etwa für etwas zu halten, das man vernachlässigen könnte. Nicht umsonst weist Jesus schon im Vaterunser auf die Notwendigkeit für das tägliche Brot hin! Auch das ganz alltägliche Leben gehört zum Glauben dazu! Aber dieses Wort aus den Psalmen gibt dem täglichen Leben einen verborgenen Glanz: Auch in den praktischen notwendigen Verrichtungen liegt etwas von der wunderbaren Schöpfung Gottes. Sie sind nicht einfach nur Strafarbeiten, sondern haben etwas von der Würde der Schöpfung. Gott erinnert uns daran, dass wir – in allem Trubel des Alltags – wunderbar „gemacht” und gemeint sind!

Gott spricht einem jeden Menschen diese Hoheit zu. Auch dem Pflegebedürftigen und dem oder der Pflegenden. Wie leicht gerät das aus dem Blick, wenn vieles bewältigt sein will? Und erst in den ruhigen Momenten des Urlaubs und anderer Ausnahmezustände sinnen wir darüber nach, wenn wir die „Seele baumeln lassen”. Dann aber spüren wir etwas von der Nähe Gottes mit unserer Seele.

Ich wünsche Ihnen, dass Sie in diesen Sommermonaten davon etwas aufnehmen können, wieviel Wunderbares Gott in einen jeden hineingelegt hat.


Ihr Pfarrer Ulrich Kastner

 

Monatsspruch Juli 2020

Der Engel des Herrn rührte Elia an und sprach:
Steh auf und iss!
Denn du hast einen weiten Weg vor dir.
1. Könige 19,7

 

Liebe Gemeinde,

Gott will, dass wir Leben haben!
So einfach das klingt, so fraglich scheint es manchen, die darüber spekulieren, ob Krankheiten nicht " Strafen Gottes " wären. Als ob Gott nichts besseres zu tun hätte, uns Menschen Krankheiten und Verderben zu schicken. Doch so ist es nicht! Dass Gott ein erfülltes Leben für uns Menschen will, können gerade wir Christen wissen, seit Karfreitag: Gott bleibt bei uns Menschen, obwohl wir ihn ans Kreuz schlagen.

Dass Gott Leben will, das erfährt hier der Prophet Elia. Der Engel Gottes berührt ihn und spricht zu ihm. Vielmehr ermutigt er den Elia: Steh auf. Der Glaube macht nicht ohnmächtig und betäubt, sondern aktiv,
" Steh auf "!
Und weiter spricht der Engel zu dem Schwachen: Iss! Und damit ist nicht nur die Sorge um sein Überleben gemeint, sondern auch seine Zukunft: Stärke dich! Und dann weitet der Engel den Blick: Heraus aus der momentanen Situation der Trostlosigkeit - auf den Weg, der vor ihm liegt. Da ist ein Weg! Es geht weiter!
Der Prophet war in ein tiefes seelisches Loch gefallen: Gott hatte ihm den Sieg geschenkt und ein Wunder durch Elia getan. Doch nach diesem Erfolg über 400 falsche Propheten, musste er flüchten und um sein Leben fürchten. So geriet er in die Wüste und verzweifelte. Er wollte sein Leben aufgeben und sterben.
In DIESER Situation begegnet ihm der Engel und spricht zu ihm: Steh auf und iss! Und so geschieht es. Elia stärkt sich und geht weiter. Er erfährt Gott am Ziel noch einmal ganz anders - tiefer und ergreifender als bei dem gewaltigen Wunder zuvor: Gott begegnet ihm in der Stille.

Nun könnte man einwenden: Zu mir ist noch kein Engel gekommen. Doch Obacht! Die Engel in der Bibel sind durchaus nicht auffällig. Im Gegenteil muss man eher aufpassen, dass man sie nicht übersieht: Flügel brauchen sie nicht, auch kein weißes Gewand, nicht mal eine Harfe. Engel sind vielmehr Boten, die etwas von Gott ausrichten. Und zu Engeln werden die Boten durch ihre Botschaft. Sie bringen oder sagen etwas, das wichtig für uns ist, das Not tut. Ein Engel ist der, der uns auf neue Gedanken bringt. Dass es Engel waren, die uns begegnet sind, merken wir daran, wenn wir neue Möglichkeiten für uns entdeckt haben.
Der Clou ist doch, wenn wir einander zu " Engeln " werden! Wir vermitteln einander etwas von Gottes Liebe und Größe. Und die äußert sich darin, dass wir Leben haben.


Ihr Pfarrer Ulrich Kastner

 

Monatsspruch Mai 2020

Dienet einander, ein jeder mit der Gabe, die er empfangen hat,
als die guten Haushalter der mancherlei Gnade Gottes.
1. Petrusbrief 4, 10

 

Liebe Gemeinde,

Die Kirche, die Gemeinde des Herrn ist eine Zeugnis- und Dienstgemeinschaft. So habe ich sie kennengelernt
und darum bin ich geblieben. ‚Die bunte Gnade Gottes‘, so wird dieser Vers gerne überschrieben. Die von mir
so geschätzte Lutherübersetzung der Bibel hat mit „mancherlei Gnade“ einen schönen Klang.

Aber „vielfältig, bunt“ trifft’s schon eher. Und so vielfältig und bunt wie Gottes Gnade, ist auch das, was er gibt; alle
Menschen besitzen Fähigkeiten! Sie wurden uns von Gott - oder besser: vom Heiligen Geist – gegeben.

Paulus nennt sie darum Geistesgaben. Im 1. Petrusbrief geht es vor allem darum, wie wir Christen diese
Fähigkeiten einsetzen. Eine jede und ein jeder möge genau das einbringen, was Gott gegeben hat, und
zwar füreinander, miteinander und als ganze Gemeinde gemeinsam zum Lobe Gottes

Was mag das in unserer Gemeinde sein? Von den musikalischen Fähigkeiten der Gottesdienstbesucher weiß
ich und hoffe sie werden nun mit der neuen Orgel noch viel schöner erblühen. Der Chor braucht einen Neustart;
wer bringt sich noch ein? Wie steht es mit den diakonischen und politischen Gaben?

Und die Gemeinde lebt ganz bestimmt in den vielen kleinen Dingen. Keiner, oder nur wenige sehen sie – und
ohne ginge es einfach nicht! Ich vermute, die Liste ist lang….

Der 1. Petrusbrief macht ganz deutlich, dass diese Gaben nicht so sehr dazu da sind, vor den Anderen zu glänzen.
Klar, niemand will sich blamieren. Aber: dient einander, wenn ihr diese Fähigkeiten einsetzt. Damit unterscheidet
Ihr Euch von vielen; bei uns geht es nicht um Konkurrenz! Zeigt der staunenden Welt um uns herum, dass Ihr bunt
seid und zugleich einheitlich, d.h. für den einen Herrn.

So könnte man die Aufforderung wiedergeben, die der Monatsspruch im Mai allen Christenmenschen mitgibt.
Eigentlich eine Selbstverständlichkeit und doch muß sie immer wieder und mit viel Dank, ausgesprochen werden.

Denn eines weiß ich gewiss: Gott gibt so viele Gaben, wie er uns auch in vielfältige Herausforderungen führt.
Und die treuen Haushalter der bunten Gnade Gottes wissen: wenn das Bunte aufleuchtet und wir eins sind im Herrn,
dann ist Gottes guter Geist in seiner Gemeinde mächtig.

Ihr Pfarrer Sven Täuber

 

Monatsspruch April 2020

Es wird gesät verweslich und wird
auferstehen unverweslich
1. Korinther 15,42

 

Monatsspruch März 2020

Jesus Christus spricht:
Wachet!
Markus 13,37

 

Monatsspruch Februar 2020

Ihr seid teuer erkauft, werdet nicht
der Menschen Knechte.
1. Korinther 7,23

 

Liebe Gemeinde,

da war ich zuerst doch sehr erstaunt! Ein besorgter Vater kommt mit seinem schwer epilepsiekranken
Kind zu Jesus dem Arzt, klagt sein Leid und seine Sehnsucht und seine Enttäuschung: wenn Du etwas
kannst, so erbarme dich und hilf uns! Und er bekommt die wenig einfühlsame Antwort: " Alles ist möglich,
dem der da glaubt. " Vers 24 " Sogleich schrie der Vater des Kindes: ich glaube, hilf meinem Unglauben! "
Glauben und Unglauben sind so nah beieinander. Dem " Vielleicht " und dem " Aber " entkommen wir nicht.
Glaube und Zweifel sind fast wie Zwillinge, untrennbar, einander bedingend. Und: beides gehört zum
Menschsein! Genauer: es gibt den nötigen gesunden Zweifel und es gibt den zerstörerischen Zweifel.

Zum Epiphaniasfest wird die Erscheinung der drei heiligen Könige gefeiert. Sie sind Astronomen ( wir haben
seinen Stern gesehen ) , Wissenschaftler. Ihr methodischer wissenschaftlicher Zweifel bringt sie voran,
bringt Erkenntnis, bringt Segen. Ihr Nachfragen führt sie zum Ziel. Die mit methodischem Zweifel arbeitende
Wissenschaft ist ein Segen für die Menschheit. Ich wünsche mir viel mehr gesunden Zweifel angesichts von so
viel Oberflächlichkeit bis hin zu Fake - News und Politikern, die die Wissenschaft verachten. Gesunder
Zweifel schützt vor Vereinfachungen bis hin zum Fundamentalismus! Von Erich Fried stammt der weise Satz:
" Zweifle nicht an dem, der dir sagt, er hat Angst, aber hab Angst vor dem, der dir sagt, er kenne keine Zweifel! "
Als zerstörerischer Zweifel bezeichne ich den existentiellen Zweifel am Sinn des Lebens. Wird sein
zerstörerisches Übermaß nicht erkannt, nicht als " behandlungspflichtig " erkannt, kann das schlimme Folgen
haben.
Zurück zum Vater, der Heilung sucht und seinem Schrei: so viel enttäuschtes Vertrauen, solche Not, so viel
bittere Erfahrung und dennoch gibt er nicht auf. Einmal mehr mal zum Arzt, neue Erwartungen; die Liebe zu
seinem Kind verbietet ihm aufzugeben. Jesus sieht seine Liebe und darum schenkt er Heilung und Wachstum.
Der " erprobte " Glaube des Vaters ist ein wachsender Glaube. Unser Glaube kann auch an Enttäuschung,
Zweifel und Sehnsucht wachsen, denn er richtet sich auf Gott, nicht auf uns. Der Glaube vertraut dem " Vielleicht "
trotz des " Aber ". Dies hat auch Jesus selbst durchlitten, dies erfährt auch der zweifelnde Jünger Thomas.
Glaube und Zweifel und Wachstum werden uns und jeden suchenden Menschen im Neuen Jahr begleiten.

Ihr Pfarrer Sven Täuber