Andacht
Gedanken zur Jahreslosung – 2026
Gott spricht: Siehe, ich mache alles neu. Offenbarung 21,5
Liebe Gemeinde,
alles neu – aber muss das denn unbedingt sein?
Eigentlich haben wir es doch ganz schön. Und wenn man mal nüchtern überlegt – allen Katastrophenmeldungen zum Trotz - wo würden wir denn lieber leben, als in unserem Land? Vom Wetter vielleicht abgesehen; aber immer nur blauer Himmel wird vermutlich auch irgendwann langweilig. Der Urlaub unter Palmen ist natürlich für drei Wochen traumhaft – aber will man das wirklich jeden Tag und immer nur so weiter? Also eigent-lich können wir ganz froh sein, wie es ist. Aber da verheißt unsere Jahreslosung: Sie-he, ich mache alles neu! Das kommt jetzt doch etwas ungelegen, wo wir uns gerade ganz gut eingerichtet haben. Insofern kann die Jahreslosung auch für Unruhe sorgen. Also, wollen wir wirklich, dass alles neu wird? Es gibt ja vieles, das sich durchaus lohnt, zu bewahren. Und andererseits muss man sich fragen, wie bewahren wir denn das, was uns wichtig ist? Doch nicht, indem wir starr daran festhalten und es konser-vieren. Unsere Werte und Ideale müssen wir doch leben und praktizieren, und so jeder Generation, einem jeden und einer jeden zugänglich machen. Und das betrifft nicht nur die nächsten Generationen, sondern auch Menschen, die kommen und hier leben wol-len. Viele derer, die in den letzten Jahren kamen, treten heute selbstverständlich für un-sere Gesellschaft, die Demokratie und Bürgerrechte ein. Ein Freund, der 2015 aus Sy-rien kam, schützt heute den Bundestag. Eine Freundin leitet eine Discounter-Filiale für Lebensmittel. Ein anderer sorgt dafür, dass Wohnungssuchende eine Bleibe finden. Wenn alles neu wird, dann liegt darin also auch eine Verheißung der Beständigkeit. Zur Wendezeit hieß es, „wer will, dass alles so bleibt, wie es ist, der will nicht, dass es bleibt“. Und in einer Geschichte von Bert Brecht erschrickt seine Figur, Herr K. darüber, dass ein Bekannter ihn nach Jahren mit den Worten begrüßt: Sie haben sich gar nicht verändert. Das Festhalten führt letztlich zum Verlust. Die Erneuerung ist notwendig für das Bestehen. Sogar unsere Körperzellen sollen sich alle sieben Jahre erneuern. Technisch gesehen, wären wir dann in sieben Jahren völlig neue Menschen! Aber wir blieben -natürlich- dennoch die „Alten“, auch wenn materiell alle Zellen ausgetauscht wären. Ich will den Vergleich jetzt nicht zu weit treiben, aber z.B. unsere Gemeindelei-tung ist ganz „neu“ – frisch gewählt. (siehe den nächsten Artikel) Und auch unsere Christenlehre ist ganz „neu“. Saskia Semmer hat die Leitung übernommen. Aber das heißt ja nicht, dass nun etwas völlig anderes stattfindet. Sondern damit knüpfen wir an die guten Traditionen an, die z.B. Roswitha Beetz etabliert hat. Und so sind wir alle da-bei, zu überlegen und zu erfahren, was es heißt, die Liebe Gottes auszurichten und weiterzugeben. Auch in diesem neuen Jahr. Denn es ist Gott, der alles neu macht.
Ihr Pfarrer Ulrich Kastner
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