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                       Evangelische Kirchengemeinde
           
                Bohnsdorf-Grünau
             

                                                  


  Paul – Gerhardt – Gemeindeheim

Reihersteg 36-38
12526 Berlin

Tel: 030 / 676 10 90

                                                                     Fax: 030 / 67 80 99 55

                Jahreslosung 2018           
          

         
  Gott spricht:
              Ich will dem Durstigen geben von der Quelle
              des lebendigen Wassers umsonst.

            Offenbarung 21,6       
            

       
Liebe Gemeinde,             
                
                
       Die Leser der Offenbarungstexte des Johannes von Patmos am Ende des ersten nachchristlichen
               Jahrhunderts wussten, was es bedeutet, durstig zu sein. Wasser ist bis heute kostbar im vorderen
               Orient. Und wem in der arabischen Wüste das Wasser ausging, der war dem Tod geweiht, wenn
               er nicht wusste, wo Wasserquellen zu finden sind.
               Die ersten Leser der Offenbarungstexte lebten, wie der Autor selbst, in großer Bedrängnis. Wer
               seinen Glauben offen bekannte, musste mit Verfolgung durch die römischen Machthaber rechnen.
               Sie dürsteten nach Freiheit, um ihren Glauben leben zu können, nach Gerechtigkeit und Anerkennung.

               Wann war ich das letzte Mal wirklich durstig oder hungrig? Wonach dürste ich? Mein Grundgefühl -
               besonders nach den Feiertagen - ist eher Sattheit. Ich lebe im Handlungsmodus des Auswählen-
               müssens, ob im Supermarkt, vorm Bildschirm, vom Mobilfunkanbieter bis zur Lebensversicherung.
               Und manchmal fühle ich mich regelrecht überflutet von Informationen und Dingen, die ich nie wissen
               oder haben wollte.

               Wonach aber dürste ich wirklich? Was brauche ich in meinem Leben? Um das herauszufinden,
               braucht es Wüstenzeiten in meinem Leben. Manchmal sind es Situationen, in die mich das Leben
               wirft durch eine Krankheit oder einen Verlust. Mir steht plötzlich klar vor Augen, worum es eigentlich
               geht und wie viele Dinge meines Alltags nur Zeit- und Energiefresser sind. Solche Wüstenzeiten
               kann ich mir aber auch selbst einrichten als Zeiten der Stille, des Gebets, des Fastens, in denen
               ich mit mir selbst und mit Gott in Berührung komme. Dann fühle ich mich verbunden mit den Quellen
               lebendigen Wassers, die es in keinem Supermarkt und auch nicht im Internet zu bestellen gibt,
               sondern die immer schon da sind - umsonst.

               Auf der Suche nach den Quellen lebendigen Wassers sind wir aber nicht nur als Einzelne, sondern
               auch als Gemeinden. Dabei fordert uns die Jahreslosung dazu auf, die Frage immer wieder auch
               danach zu stellen, wonach unsere Gemeinden eigentlich dürsten!
               Neben allen zu klärenden Strukturfragen gilt es, immer wieder neue zeitgemäße Erfahrungsräume
               und Wege zu finden, in denen wir uns selbst und Gott auf die Spur kommen, unseren Glauben
               freudvoll leben und mit einem liebevollen Blick auf uns und unsere Mitmenschen in die Welt tragen
               können.
              
               Mit herzlichen  Glück- und Segenswünschen für das neue Jahr.

              
                              
               Ulrich Kastner